Wer einen Rotwein mit viel Frucht, frischer Säure und feiner Würze sucht, landet schnell bei Sankt Laurent. Die rote Rebsorte verbindet dunkle Kirsch- und Beerenaromen mit samtigem Tannin und kann sowohl als eleganter Essensbegleiter als auch als lagerfähiger Solist überzeugen. Ich zeige, woher sie kommt, wie ihr Wein schmeckt, worauf beim Kauf zu achten ist und welche Gerichte besonders gut dazu passen.
Die wichtigsten Fakten zur charaktervollen Rotweinsorte
- Herkunft: Die genaue Abstammung ist nicht endgültig geklärt, ihre heutige Bedeutung liegt vor allem in Österreich und Mitteleuropa.
- Aromatik: Typisch sind Wildkirsche, Holunder, Waldbeeren, schwarze Johannisbeere und gelegentlich Bitterschokolade.
- Stil: Gute Weine sind fruchtbetont, würzig, frisch und von mittlerem bis kräftigem Körper.
- Anbau: Die Sorte liefert oft niedrige Erträge und verlangt sorgfältige Arbeit im Weinberg.
- Serviertemperatur: Am besten schmeckt der Rotwein bei 14 bis 16 °C.

Was St. Laurent so besonders macht
St. Laurent gehört zur weit verzweigten Burgunderfamilie und wird heute als eigenständige rote Rebsorte wahrgenommen. Die genaue Herkunft bleibt offen. Historische Hinweise führen nach Frankreich und Deutschland, während Österreich die Sorte besonders stark geprägt und vinifikatorisch weiterentwickelt hat.
Der Name wird häufig mit dem Laurenztag am 10. August verbunden, zu dessen Zeit sich die ersten Beeren zu verfärben beginnen können. In Österreich ist die Sorte fest etabliert, in Deutschland findet man sie vor allem in der Pfalz und in Rheinhessen. Das Deutsche Weininstitut beschreibt die Weine als tiefrot, frisch und fruchtig mit Anklängen an Holunderbeeren und Wildkirschen.Mich überzeugt an dieser Rebe vor allem ihr Spannungsfeld. Sie wirkt nicht so schwer wie viele internationale Rotweine, bringt aber deutlich mehr Tiefe mit als ein einfacher, jung zu trinkender Rotwein. Genau diese Verbindung aus Saftigkeit und Struktur macht sie am Tisch interessant.
Wie der Wein aus dieser Rebsorte schmeckt
Im Glas zeigt sich St. Laurent meist in einem kräftigen Rubin- bis Granatrot. Der Duft erinnert an Wildkirschen, Holunder und dunkle Waldbeeren, bei reiferen oder im Holz ausgebauten Exemplaren kommen Pflaume, Gewürze, Tabak und Bitterschokolade hinzu.
Am Gaumen besitzt der Wein eine lebendige Säure, die ihn trotz seiner dunklen Frucht frisch hält. Die Gerbstoffe sind meist feiner und weicher als bei einem sehr kräftigen Blaufränkisch, können bei jungen Flaschen aber noch spürbar trocknen. Ein sauber vinifizierter Jahrgang wirkt eher samtig als kantig.| Merkmal | Typischer Eindruck |
|---|---|
| Farbe | Kräftiges Rubinrot bis dunkles Granatrot |
| Duft | Wildkirsche, Holunder, Waldbeeren, Veilchen |
| Gaumen | Fruchtig, würzig, frisch und saftig |
| Tannin | Fein bis mittelkräftig, bei jungen Weinen markanter |
| Ausbau | Edelstahl für Frische, Holz für mehr Tiefe und Würze |
Die Ausbauart verändert den Stil deutlich. Im Edelstahltank bleibt die knackige Kirschfrucht im Vordergrund, während Barrique oder großes Holzfass zusätzliche Röstaromen und eine ruhigere, komplexere Textur schaffen. Holz allein macht den Wein jedoch nicht besser. Wenn die Frucht nicht genügend Konzentration mitbringt, wirkt zu viel Eiche schnell aufgesetzt.
Warum der Anbau anspruchsvoll ist
Die Rebe treibt vergleichsweise früh aus und kann dadurch in kühlen Lagen unter Spätfrost leiden. Während der Blüte reagiert sie empfindlich auf ungünstige Witterung, was zu ungleichmäßiger Fruchtbildung und niedrigen Erträgen führen kann. Für Winzer bedeutet das mehr Aufwand und weniger Planungssicherheit.
Ein weiterer Punkt ist die hohe Reifeanforderung. Nur wenn Standort, Laubarbeit und Lesezeit zusammenpassen, entwickelt der Wein seine typische Balance aus Frucht, Säure und Tannin. Zu früh gelesen schmeckt er oft hart und säuerlich, zu spät geerntet verliert er seine Frische und wirkt schwerfällig.
Woran man gute Qualität erkennt
- Klare Frucht: Kirsche und Beeren sollten präzise wirken, nicht marmeladig oder alkoholisch.
- Frische Säure: Sie trägt den Wein und verhindert einen breiten, müden Eindruck.
- Reifes Tannin: Die Gerbstoffe dürfen präsent sein, sollten den Mund aber nicht austrocknen.
- Maßvoller Holzeinsatz: Vanille und Röstaromen sollten die Frucht ergänzen, nicht überdecken.
Ich würde deshalb nicht automatisch nach der teuersten Reserveflasche greifen. Ein gut gemachter, fruchtbetonter Jahrgang aus dem Stahltank kann zum Abendessen mehr Freude bereiten als ein überholzhaltiger Premiumwein. Der Preis ist hier weniger aussagekräftig als Erzeuger, Jahrgang und Ausbau.
St. Laurent im Vergleich zu ähnlichen Rotweinen
Die Sorte wird häufig mit Spätburgunder, Blaufränkisch oder Zweigelt verglichen. Solche Vergleiche helfen beim Kauf, sollten aber nicht zu einer falschen Gleichsetzung führen. St. Laurent besitzt ein eigenes Profil, das zwischen burgundischer Eleganz und österreichischer Würze liegt.
| Rebsorte | Typischer Stil | Besonders passend für |
|---|---|---|
| St. Laurent | Kirschfrucht, Würze, frische Säure, samtiges Tannin | Geflügel, Wild, Pilze und geschmorte Gerichte |
| Spätburgunder | Eleganter, oft feiner und stärker vom Terroir geprägt | Ente, Kalb, Lachs und feine Küche |
| Blaufränkisch | Würziger, pfeffriger und meist straffer | Rind, Lamm, Schmorgerichte und kräftige Saucen |
| Zweigelt | Fruchtbetont, zugänglich und häufig etwas weicher | Alltag, Grillgerichte und leichte österreichische Küche |
Wer Spätburgunder liebt, aber etwas mehr Farbe und Würze möchte, findet in St. Laurent eine gute Alternative. Wer dagegen den straffen, pfeffrigen Charakter des Blaufränkisch sucht, sollte zu einem kräftiger ausgebauten Exemplar greifen und nicht zu einem leichten, jung abgefüllten Wein.
Welche Speisen am besten dazu passen
Die Kombination aus Frucht und Säure macht den Wein erstaunlich vielseitig. Leichtere Varianten passen zu gebratener Entenbrust, Geflügel mit dunkler Sauce oder Pilzgerichten. Kräftigere Flaschen begleiten Wild, Rinderbraten, Rehragout und Schmorgerichte besonders überzeugend.
- Reh oder Wildschwein mit Preiselbeeren
- Rinderbraten mit Wurzelgemüse
- Entenbrust mit Kirsch- oder Pflaumensauce
- Gebratene Pilze, Steinpilzrisotto und Linsengerichte
- Würzige Hartkäse und mittelkräftiger Blauschimmelkäse
Bei sehr scharfen Speisen oder stark süßen Saucen gerät die Säure schnell aus dem Gleichgewicht. Auch zu zartem Fisch ist ein kräftiger Vertreter meist zu dominant. Für solche Gerichte würde ich eher einen leichteren Rotwein oder einen frischen Weißwein wählen.
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Servieren ohne Aromaverlust
Eine Temperatur von 14 bis 16 °C ist meist ideal. Wird der Wein zu warm serviert, treten Alkohol und Holz stärker hervor; direkt aus dem Kühlschrank wirkt er dagegen hart und verschlossen.
Junge, tanninreiche Flaschen profitieren von 30 bis 60 Minuten Belüftung. Ältere Weine sollten vorsichtiger behandelt werden, weil zu langes Dekantieren ihre feinen Fruchtaromen schwächen kann. Ein großes Rotweinglas reicht oft schon aus, um die aromatische Seite vollständig zu zeigen.
So findet man eine passende Flasche
Für den ersten Einstieg empfehle ich einen trockenen, fruchtbetonten Wein ohne starkes Barrique. Solche Abfüllungen zeigen die Rebsorte am klarsten und sind meist schon in den ersten Jahren zugänglich. Wer mehr Tiefe sucht, kann zu einer Reserve oder einer im großen Holzfass gereiften Version greifen.Beim Einkauf lohnt ein Blick auf Alkoholgehalt, Ausbau und Jahrgang. Ein Alkoholgehalt um 12,5 bis 13,5 Prozent wirkt oft ausgewogen, während deutlich höhere Werte mehr Reife und Konzentration voraussetzen. Der Jahrgang ist besonders in kühleren Regionen wichtig, weil die Reife der Trauben stärker von der Witterung abhängt.
Für die Lagerung eignen sich hochwertige Exemplare mit guter Säure und reifem Tannin. Je nach Herkunft und Ausbau können sie sich über fünf bis zehn Jahre positiv entwickeln. Ein einfacher, fruchtbetonter Wein ist dagegen meist für den Genuss in den ersten zwei bis vier Jahren gedacht.
Mein praktischer Rat lautet, zwei Stilrichtungen direkt miteinander zu vergleichen. Eine junge, im Tank ausgebaute Flasche zeigt die saftige Seite, eine gereifte Holzfassversion die würzige und komplexe. So erkennt man schnell, welche Interpretation besser zum eigenen Geschmack und zum geplanten Essen passt.
Die beste Seite dieser Rebe zeigt sich am gedeckten Tisch
St. Laurent ist keine Rebsorte für Menschen, die nur maximale Kraft im Glas suchen. Ihr Reiz liegt in der Balance aus dunkler Frucht, Frische und feinem Tannin. Genau deshalb kann sie sowohl Weinfreunde mit burgundischer Vorliebe als auch Liebhaber österreichischer Rotweine begeistern.
Wer beim Kauf auf Herkunft, Ausbau und Reife achtet, bekommt einen vielseitigen Rotwein mit eigenständigem Charakter. Besonders überzeugend wird er dort, wo Frucht und Würze eines Gerichts nach einem Wein verlangen, der Tiefe mitbringt, ohne den Teller zu überrollen.